09.06.10

Ein Mail an die Board Members und Organe

Betreff: Einladung zur Generalversammlung

Liebe Ex- und Ist-Board Members und Organe

Die GSBA Stiftung hat ja einen gewichtigen Millionenbetrag in die GSBA Immobilien AG investiert. Die Einladung zu deren Generalversammlung zeigt, dass ein Weiterbildungskurs zum Thema "Wie lädt man korrekt zur Generalversammlung ein", sicher mindestens einen Kursbesucher haben müsste: den Buchhalter unseres Bildungskonzerns. Und falls dieser auf Anweisung unseres Präsidenten handelte, wäre es wieder mal Zeit Gotthelf zu zitieren: Im Herzen soll....

Buchhalter Beat Herren unterzeichnet im Mai einen Brief, in dem unter anderem auch von einer Einladung zur Generalversammlung der GSBA Immobilien AG die Rede ist. Für welche Firma er zeichnet, geht aus der Unterschrift nicht hervor. In der Fusszeile jenes Schreibens werden ein halbes Dutzend Firmen aufgeführt, von denen sich genau genommen lediglich für eine ein Eintrag im Handelsregister findet.

In der GSBA Immobilien AG ist Beat Herren nicht als Verwaltungsrat gelistet, er ist überhaupt nicht als zeichnungsberechtigt aufgeführt. Da Beat Herren weder Verwaltungsrat noch Revisionsstelle der GSBA Immobilien AG ist und sicher seine Aktien für Fr. 1300 pro Stück verkauft hat, ist nicht zu prüfen, ob er gar als Aktionär zur Generalversammlung laden möchte. Also blicken wir ins Gesetz: Das OR sieht vor, dass der Verwaltungsrat zur Generalversammlung einlädt, in gewissen Fällen die Revisionsstelle. Es liegt somit keine korrekte Einladung vor. Ich gehe davon aus, dass das Board dies auch festgestellt hat, und nun einen neuen Termin ansetzen wird.

Dass sich jemand in den letzten Jahren in Sachen Generalversammlung und Aktiengesellschaft nicht besonders weitergebildet hat, zeigt ein weiterer Punkt: An der Generalversammlung soll eine Kontrollstelle gewählt werden. Im aktuellen Obligationenrecht ist der Begriff Kontrollstelle nirgends zu finden. Der Begriff wurde schon vor einiger Zeit gestrichen. Klar, dass jemand der eine Kontrollstelle wählen möchte auch nicht weiss, dass seit einiger Zeit ein Revisionsaufsichtsgesetz in Kraft ist. Er hätte sonst eine im Register der Revisionsaufsicht eingetragene Revisionsstelle zur Wahl vorgeschlagen. Aber auch dies ist nicht der Fall, gemäss Einladung lautet der Antrag: "Wahl der DMT-Treuhand GmbH, in Kilchberg".

Ein Blick in das Register der Revisionsaufsichtsbehörde zeigt, dass keine solche Firma unter den zugelassenen aufgeführt wird.
Art. 40 RAG sagt, dass mit Gefängnis oder mit Busse bis zu 1'000'000 Franken wird bestraft, wer eine Revisionsdienstleistung ohne die erforderliche Zulassung erbringt. Beruhigt können wir feststellen, dass hier niemand gebüsst werden könnte, eine DMT-Treuhand GmbH in Kilchberg ist auch im Handelsregister nicht existent. Man kann dem von Beat Herren mitgeteilten Antrag gar nicht folgen.

Vielleicht meint Beat Herren, dass er die Firma DMT Treuhand AG in Thalwil wählen möchte. Die findet sich im Handelsregister, aber ... als ich heute morgen ins Register der Revisionsaufsichtsbehörde klickte nicht in deren Register. In der DMT Treuhand AG sind mit Ursula Betschart und Dieter Meyer übrigens die gleichen Personen wie in der DMT D. Meyer Treuhand GmbH als unterschriftsberechtigt eingetragen.
Vielleicht möchte Beat Herren die DMT D. Meyer Treuhand GmbH in Thalwil wählen, die zur Zeit im Firmeneintrag der GSBA Immobilien AG noch mit Domizil in Kilchberg geführt wird?

Die DMT Treuhand AG in Thalwil hiess bis zum 1.2.2007 noch SILO TEC (Schweiz) AG, Zweck der Gesellschaft war die Grafittientfernung. Eine DMT D. Meyer Treuhand GmbH, Thalwil, war dort bis zur Publikation vom 1.2.2007 als Revisionsstelle eingetragen. Seit die Firma nun DMT Treuhand AG heisst und statt Graffitientfernung im Bereich Steuerberatung und Revisionsdienstleistungen tätig sein soll, war ein Dieter Meyer ursprünglich Geschäftsführer und inzwischen Verwaltungsrat der DMT Treuhand AG, Thalwil. Eine gewisse Nähe zum Dietrich Meyer, der auch Geschäftsführer der früheren Revisionsstelle DMT D. Meyer Treuhand GmbH ist, und im RAB-Register Dieter heissen könnte, kann wohl kaum verleugnet werden.

Will man hier mit Blick auf die laufende Strafgeschichte (es gilt die Unschuldsvermutung) die bisherige Revisionsstelle aus dem Schussfeld nehmen und via Aktienmantel der SOLO TEC AG den Umsatz in eine neue Firma verlagern? Schliesslich wird eine DMT D. Meyer Treuhand GmbH, Thalwil, im Handesregister als Revisionsstelle der Stiftung geführt.

Sicher freut es die Dozierenden des Konzerns, dass sie so für Themen wie cooling off period und Unabhängkeit einen Living Case präsentiert erhalten. Welches Weiterbildungsinstitut erhält solche Konstellationen pfannenfertig hausintern geliefert, um sie so anhand eines praktischen Beispiels im Unterricht üben und besprechen lassen?

Man könnte das Thema ausweiten und mit Interesse feststellen, dass die Universa Treuhand AG, die als Revisionsstelle der DMT Treuhand AG eingetragen war, die DMT D. Meyer Treuhand GmbH in Thalwil als ihre eigene Revisionsstelle aufführte.

Man könnte die Studierenden prüfen lassen, ob Art. 11 RAG zum Thema Unabhängigkeit eine Rolle spielen könnte und die Bestimmung des Art. 39 RAG, die eine Busse bis zu 100'000 Franken dem androht, der gegen die Grundsätze zur Unabhängigkeit nach Artikel 11 RAG sowie nach Artikel 728 OR verstösst, angewendet werden könnte.
Art. 11 RAG handelt davon, dass eine Publikumsgesellschaft keine Personen beschäftigen darf, die während der zwei vorausgegangenen Jahre Revisionsdienstleistungen für diese Gesellschaft geleitet haben oder im betreffenden Revisionsunternehmen eine Entscheidfunktion inne hatten.
Und dann müssten die Studenten feststellen, ob die eine oder andere Gesellschaft eine Publikumsgesellschaft sei oder nicht und ggf. auch das Thema Corporate Governance diskutieren.

Auch die History des in einem Schreiben vom März 2010 "Lorange Institut of Business AG (vormals Oekreal AG)" genannten Unternehmens würde ein Beispiel für ein ergänzendes Thema in diesem Kurs anbieten:
Bis 24.9.1992 war ein Meyer, Johannes Dietrich Werner, von Zürich, in Kilchberg, Mitglied des Verwaltungsrates. Gleichzeitig mit der Streichung aus dem Verwaltungsrat wurde eine D. Meyer Treuhand, in Kilchberg ZH als Revisionsstelle gewählt. Man könne, wenn so weit zurück geforscht werden soll auch gleich nachschauen, welche Revisionsstelle Anfang der 90-er Jahre was für ein Gutachten über den damaligen Wert der Oekreal-Aktien erstellt hatte.

Und wenn man schon nach früheren Gutachten im Umfeld von DMT D. Meyer Treuhand die für Schulzwecke verwendet werden könnten sucht, könnte z.B. auch der Revisionsbericht über die 10 Mio AK-Erhöhung bei der Air Switzerland AG in Liquidation als Schulbeispiel dienen. Nicht nur was die Bestätigung betrifft, sondern eben auch in Sachen wer mit wem. Denn zufällig war Dieter Meyer mit Daniel Scheitlin von 1994 bis 2002 Gesellschafter in einer S&P Scheitlin & Partner Treuhand GmbH. Und zufällig findet sich Daniel Scheitlin wiederum bis Juli 2002 als Verwaltungsrat der Air Switzerland AG, jene Gesellschaft, für die DMT D. Meyer Treuhand als Revisionsstelle fungierte. Total unabhängig wurde hier ein Gutachten über die Liberierung des Aktienkapitals erstellt.

Ich glaube kaum, dass Beat Herren das Schreiben vom 18. Mai 2010 mit der missglückten Einladung zu einer Generalversammlung im Namen des neuen Präsidenten verfasst hat. Tippfehler mögen in einem schnell verfassten eMail ja angehen, aber in einem formellen Schreiben würde der Präsident sicher darauf achten, dass eine gewisse Professionalität an den Tag gelegt wird.

Wie auch immer, etwas Weiterbildung innerhalb unserer alma mater könnte nicht schaden. Board Member Thomas Stenz könnte sicher ergänzende Ausführungen in weniger satirischer Form liefern.

Freundliche Grüsse

Sikander

Dieses Mail richtet sich an die Stiftungsräte und die (allenfalls ehemalige) Mitglieder des Advisory Boards der GSBA

- Dr. Max Amstutz, Ehem. Verwaltungratspräsident Finter Bank Zürich
- Norbert Quinkert, Partner Quinkert, Herbold, Fischer - Exec. Search, ehemals Vorsitender der Geschäftsleitung Motorola
- Dr. Hans Heinrich Coninx, ehem. Präsident des Verwaltungsrates Tamedia AG
- Georges Gagnebin, ehem. Vize-Präsident Private Banking, Bank Julius Bär & Co. AG
- Dr. Peter Hobbins, Mitglied Verwaltungsrat Refocus Group Inc., ehem. Verwaltungsrat Corange International Ltd., ehem. Mitglied of Executive Committee, MotoGuzzi Corp.
- Werner Isele MBA GSBA/SUNY,
- Joseph Leimgruber MBA, ehem. Vorsitzender der Geschäftsleitung Rittmeyer AG
- René Lichtsteiner, Managing Director Right Coutts (Schweiz) AG
- Akio Miyabayashi, Management Centre Europe, Faculty Member
- Martin A. Murbach, Chairman of the Board private investment bank limited
- Marc Ott MBA/GSBA, Chairman Executive Management Group AG, Confidential Business Operations AG
- Peter Otto MBA/GSBA PhD/SUNY, GSBA Professor and Business Consultant
- Max Pfister MBA/GSBA, Regierungsrat Kanton Luzern
- Paul Santner, Vizepräsident Verwaltungsrat New Value AG
- Hans Savonije, Royal Unibrew
- Thomas Stenz, Partner Ernst & Young
- Dr. Heiko Visarius, Business Director Medtronic (Schweiz) AG
- Andreas S. Wetter, VR ORANGE Communications AG Switzerland
- Dr. Cornel Wietlisbach, ex-Senior Client Advisor UBS Wealth Management
- André Witschi MBA GSBA/SUNY, ehemals Steigenberger Hotels
- Prof. Dr. Ralph Berndt
- Edgar C. Britschgi, ex-CEO Advico Young & Rubicam, ex-Dean GSBA-Lorange Institute of Business
- Thomas Rommerskirchen, Medienfachverlag
- Wolfgang Giehl, Deutsche Post AG
- Per Lorange, Managing Director, S. Ugelstad Invest
- Peter Lorange, President GSBA / Lorange Institute of Business
- DMT D. Meyer Treuhand / DMT Treuhand

die publikation im zusammenhang mit diesem thema erfolgt auf www.mbagsba.ch, sollten sie ergänzungen im zusammenhang mit dem sie betreffenden teil der publikationen haben, richten sie diese bitte an die absenderadresse.

 

 

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