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Wenn es um PR und Printmedien ging, war das Magazin Gourmet jeweils ein gerne gezeigtes Paradebeispiel. Es wurde so häufig darüber geschrieben, fast konnte man meinen, das Thema sei so interessant wie das älteste Gewerbe der Welt. Einige Zeilen aus Salz&Pfeffer Nummer 8 / 2001, Rubrik In(n)sider.

Ehre wem Ehre gebührt

In Bern sitzt René Frech und amtet als Herausgeber eines der vielen Heftlis, die in hoher Auflage WEMF beglaubigt via Gratisauflage verteilt und somit häufig unaufgefordert im Briefkasten landen. Ausser seinem Namen finden sich keine redaktionelle Mitarbeiter im Impressum. René Frech muss ein unheimlich fleissiger Mensch sein. -Zig Seiten muss er Monat für Monat füllen, einer allein kann kaum soviel schreiben. Da hilft es, von PR-Agenturen Texte zu erhalten. Diese abtippen, und schon wurden ein paar Franken Redaktionsarbeit gespart, beziehungsweise von einer Public Relation Agentur übernommen. Ganz nette PR-Tanten und -Onkel senden den Text auch gleich auf Diskette. Ausschneiden und Einfügen statt recherchieren und selber schreiben heisst in diesem Fall die Devise.

Mit Fotos verhält es sich ähnlich. Nicht jedes Foto wurde durch den Verlag bei einem Fotografen in Auftrag gegeben. Häufig werden Fotos freundlicherweise gleich vom PR-Büro selbst zur Verfügung gestellt. Das spart Zeit und Geld.

Bei einigen Anlässen wie Pressekonferenzen, Produktepräsentationen etc. ist jeweils nur ein Fotograf zugegen. Dieser verkauft seine Fotos an all diejenigen, die über diesen Anlass berichten möchten. Ein solcher Anlass fand im FIFA Sonnenberg über Zürich statt. Jacky Donatz zeigte, was sich mit Kikoman Sojasauce feines und schönes produzieren lässt. Niklaus Stauss, langjähriger Hoffotograf von Klatsch-Kolumnistin Hildegard Schwaninger, drückte ab. Die Freddy Burger Management war für das Honorar zuständig, und diejenigen die Berichten wollten, durften die Fotos übernehmen. Niklaus Stauss ist ein Profi. Bei seinen Fotos ist es nicht nur Anstand sondern Pflicht hinzuschreiben, von wem sie stammen. René Frech ist sich's gewohnt, häufig nicht zu erwähnen, woher seine Texte und Fotos stammen. Und prompt hat er die Erwähnung von Niklaus Stauss vergessen. Das war nicht so fachmännisch. Niklaus Stauss hätte nun das doppelte Honorar zu gut.

In Sachen Fotolegende hat Gudrun Schlenczek, Chefredaktorin eines anderen Heftlis, das ganze noch getoppt. Gudrun S. schrieb bei einem vom Lieferanten zur Verfügung gestellten Foto gleich ihren Namen als vermeintliche Fotografin hin. Am 18. Januar 2002 ist in Basel die nächste Museumsnacht. 'Mit fremden Federn schmücken - Schmuck zum Selbermachen' steht dort im Programm. Ich glaube fast, das müssten einige hin...


- Aber nicht nur Gourmet trug zu einer trägen Gastroberichterstattung bei. Publikation aus 2002:

Gastro-Berichterstattung

Wie funktioniert eigentlich eine Gastro-Berichterstattung bei den grossen Zeitungen? Viele Wirte zahlen nur für ein Inserat, falls Hoffnung auf einen Artikel besteht. Bei edlen Zeitungen sind Verlag und Redaktion jedoch strikte getrennt. Was tun um diese Umsätze nicht zu verlieren? Die Zeitungsseiten werden verpachtet. Die Zeitung kassiert einen festen Betrag und erlaubt den Pächtern ohne Heiligensschein redaktionell tätig zu sein. Die Pächter dieser Gastro-Seiten dürfen ohne Rücksicht auf schöngeistige Trennungs-Vorschriften Inserate-Umsatz mit wohlwollenden Restaurant-Zeilen vermischen. Die Zeitung hält nach aussen hin den Heiligenschein der strikten Trennung von Redaktion und Verlag aufrecht, die Kasse stimmt und weil die heutige Drucktechnik das Wort Anzeige auch ganz klein irgendwo auf der Seite fast nicht sichtbar drucken kann, weiss der flüchtige Leser nicht, dass ihm dort gekaufte Zeilen geboten werden.

 

Auch der Wirteverband mischt mit

Im Gratisblättli 20 Minuten wird ähnlich vorgegangen. In Zusammenarbeit mit dem Wirteverband werden Betriebe gesucht, die sich gerne auf einer halben Seite vorstellen möchten. Der Preis für den „Artikel“ richtet sich nach der Anzahl Angestellten im Betrieb. So hat auch der Kleinbetrieb eine Chance, einen halbseitigen „Artikel“ über sich zu lesen. Ob es sich um eine Anzeige oder um einen Artikel handelt, wissen die Macher selbst nicht so genau. Irgendwo steht kleingedruckt das Wort Anzeige. Im Text drin steht jedoch, dass gegen Abgabe dieses Artikels im beschreibenen Betrieb etwas Gratis auf die Leser wartet. Mit solchen Machenschaften wird der Konsument für dumm verkauft. Die Wirte die dort mitmachen wiegen sich in der trügerischen Sicherheit, sie seien 7-Sieche. Schliesslich können sie einen netten Artikel über sich selbst vorweisen.

 

Die Suppe selbst eingebrockt

Nun beklagt sich also des Sonntags ein Produkt der Tamedia über mangelnde Gastro-Kritik und dabei kassiert die gleiche Tamedia mit der Verpachtung ihrer Gastro-Seiten ein paar Franken und trägt mit dazu bei, dass weiterhin die seichte Gastrobeschreibung weiterlaufen kann. Wie soll denn in den Tageszeitungen eine unabhängige Gastroberichterstattung stattfinden, wenn keine Gastro-Umsätze für eine unabhängige Kritik vorhanden sind? Ein strenger Cost-Controller wird sagen, für eine Branche die keine Umsätze bringt, werden auch keine speziellen redaktionellen Aufwände in Sachen Berichterstattung geplant. Und so tragen die grossen Verlagshäuser mit zur zahnlosen Restaurantbeschreibung bei.


- Ganz ehrlich kommunzierte in 2002 gar ein Verlag was seine Gratis-Leistung betraf

Der andere Geldfluss

Zahlungen für eine Story sind das eine, Zahlungen für wohlwollende Artikel das andere. Inzwischen ist ein Verlag dazu übergegangen, seine Käuflichkeit ganz offen einzugestehen. Im März stiess unsere Schwester Salz&Technik auf Media-Daten, die einem Verleger der klassischen Schule das Grauen einflössen. Qualisan Institut GmbH heisst die Verlegerin. In deren Media Daten steht, ihr Produkt werde zu 80 Prozent gratis verteilt. Gratis gegenüber dem Leser reicht den Verlegern nicht. Auch der Inserent erhalte gratis noch das anderthalbfache der Inseratefläche in Form von Textseiten. Klarer kann’s nicht mehr formuliert werden. Der Inserent schreibt gleich was er über sich lesen möchte, der Verlag spart sich den Journi und verteilt das Blatt gleich gratis weiter. Wer liest denn sowas?